Konsenserklärung „ADHS – Das Syndrom“: I – 2

Konsenserklärung „ADHS – Das Syndrom“: Punkt 2

„Bei Kindern mit der Diagnose einer ADHS handelt es sich nicht um eine homogene Gruppe mit einer gemeinsamen und spezifischen Störung.“

Selbstverständlich handelt es sich bei Kindern mit der Diagnose ADHS nicht um eine homogene Gruppe mit einer gemeinsamen und spezifischen Störung. Um das festzuhalten bedarf es keiner Konsenerklärung. Und was hiesse es, wenn es sich um eine „homogene Gruppe“ handeln würde? Wäre das besser – oder wie?

ADHS-Kinder sind in ihrem Charakter, ihren Persönlichkeitsmerkmalen und Neigungen genau so unterschiedlich, wie gesunde Kinder oder jene mit einer Legasthenie oder etwa einer Angststörung es ebenso sind. Dass Kinder gehäuft gemeinsame Krankheitsmerkmale aufweisen und Forscher und Kliniker diese Auffälligkeiten in Diagnosen zu bündeln versuchen, bedeutet ja nicht, dass die betroffenen Kindern alle „gleich“ sind, „gleich gemacht“ werden oder dass es sich um eine „homogene Gruppe“ handeln muss.

Eine Diagnose ist ein theoretischer Begriff, mit welchem versucht wird, gehäuft auftretende Symptome und Leidensmerkmale in Gruppen bzw. in Kategorien zusammenzufassen oder eben zu klassifizieren. Diagnosen sagen über das Individuum herzlich wenig aus. Ihr einziger Sinn liegt darin, das Möglichkeitsfeld therapeutischer Interventionen einzugrenzen.

Fortsetzung: Morgen ab 20:00 – gleiche Stelle.

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Ein Gedanke zu „Konsenserklärung „ADHS – Das Syndrom“: I – 2

  • 13.02.2012 um 07:08
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    Ich könnte mit großer Freude und maßloser Verärgerung jeden einzelnen Punkt dieser „Konsenserklärung“ widerlegen. Als selbst Betroffener und (semi-)professionell Tätiger beobachte ich diese Debatte schon sehr lange und frage mich ernsthaft, welche Motive bei den Autoren wirken, um dieses obsolote und für uns Betroffene entwürdigende Konstrukt zu propagieren. Ganz offensichtlich haben die Autoren wenig Erfahrungen mit dem Leidensweg eines jeden Einzelnen von ADHS Betroffenen Menschen gemacht. Nur weil man es anhand eines biologischen Markers oder wie auch immer (noch) nicht schwarz auf weiß diagnostizieren kann, so entsteht bei mir der Eindruck, sucht diese Autorenschaft nach einer Daseinsberechtigung ihrer Weltansicht ohne dabei neuere Erkenntnisse in ihre starren Glaubensstrukturen einfließen zu lassen. Kein Arzt würde einem Krebs- oder MS-Patienten die vermeintlich „starken“ Medikamente enthalten, damit diese im Lebensalter besser zurecht kommen. Und niemand würde den Begriff der Pharmatherapie in Zweifel ziehen, nur weil die Krankheit deswegen nicht geheilt wird. Ich empfinde es als zutiefst respektlos und außerdem grob fährlässig, mit solchen Informationen Menschen zu verunsichern. Diese „Konsenserklärung“ hilft allenfalls, den Leidensweg vieler Mitbetroffener noch weiter zu festigen und die notwendigen und seit Jahrzehnten bewährten Therapieoptionen als Teufelswerk zu bekräftigen. Meiner Meinung nach sollten sich einige selbst ernannte Fachleute auf ihre Profession besinnen und einmal inne halten. Mitunter überkommt mich zeitweise das Gefühl, dass nicht mehr der Mensch mit seinem Leiden im Mittelpunkt steht, sondern der Kampf um theoretische Gebilde und Sicherung der eigenen (professionellen) Daseinsberechtigung. Liebe Autorenschaft der „Konsenserklärung“: Vielen Dank für einen Beitrag, den die Welt nicht braucht!

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