ADHS, Medikation und Fahrsicherheit (Teil 1)

Wenn die lieben Kids zu jungen Erwachsenen werden, steht das Thema Führerschein an. Junge Führerscheininhaber mit oder ohne ADHS weisen ja aufgrund des Mangels an Fahrpraxis bzw. Überschätzung der eigenen Fähigkeiten leider eine erhöhte Unfallgefährdung auf.

Für ADHS-Erwachsene als Fahranfänger weisen Stastiken eine erschreckende Unfallrate auf. Mir sind leider in meinem engeren Bekanntenkreis mehrere tödlich verlaufende Unfälle von jungen ADHSlern bekannt. Mit und ohne Alkoholeinfluss. Fast ausnahmslos aber junge Erwachsene, die keine Medikation (mehr) eingenommen haben.

Es gibt zwischenzeitlich zahlreiche Untersuchungen, die sich mit der erhöhten Risikobereitschaft bzw. fehlenden Impulskontrolle gerade bei unübersichtlichen Situationen beschäftigen. Typische Unfallsituationen wären also das falsche Überholen, nachdem man „ewig“ hinter einer Schlange von „Bummlern“ unterwegs war und dann den Gegenverkehr nicht beachtet bzw. falsch einschätzt.

Eine aktuelle Untersuchung belegt jetzt anhand eines lang wirkenden Methylphenidats (als Pflaster), dass die suffiziente Pharmakotherapie einen positiven Einfluss auf die Fahrsicherheit und auch die Unfallwahrscheinlichkeit hat.

Natürlich setzt das einerseits einen vernünftigen Umgang mit der Medikation selbst voraus und natürlich Alkohol- und Drogenfreiheit. Aber letztlich auch Übung in Hinblick auf die höheren Handlungsfunktionen, die man beim Autofahren braucht. Fahrsimulation wäre also nicht schlecht und ich denke, dass auch das begleitete Autofahren ab 17 Jahren grundsätzlich eine gute Sache ist. Nur sind halt leider viele ADHS-Jugendliche entwicklungsmässig noch nicht 17 …

Egal: Wenn ADHS + Autofahren, dann eben unter einer vernünftigen Pharmakotherapie.

(und meine persönliche Meinung: Keine 2-Räder vorher, bevor das Gehirn entwicklungsmässig die Unfallgefahr richtig einschätzen kann bzw. mit dem Risiko auch von Fehlverhalten von anderen Verkehrsteilnehmern rechnet)

4 Gedanken zu „ADHS, Medikation und Fahrsicherheit (Teil 1)

  • 02.03.2012 um 22:42
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    Eine einfache Lösung, die ich seit 20 Jahren praktiziere: gar nicht Auto fahren 😉

    Ich habs zwar mal gelernt, habe aber selber wahrgenommen, dass ich das koodinativ nicht beherrsche und eine potentielle Gefahr bin auf der Strasse.

    Ich bin jetzt ÖV-Nutzerin und Velofahrerin. Klappt auch tiptop!

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    • 03.03.2012 um 10:42
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      Schön wenn man das kann. Wir wohnen auf dem Land, da geht das nicht.

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  • 02.03.2012 um 01:46
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    Wie sieht es inzwischen rechtlich aus?
    Noch immer ist rechtlich nicht geklärt, ob Fahren unter Einfluss von MPH erlaubt ist oder nicht!

    Rechtlich gesehen wird bei einer Personen und Fahrzeugkontrolle MPH mit Drogen wie Haschisch oder Kokain gleichgestellt. Im Zweifelsfalls ist man Auto gefahren „unter starkem Medikamenteneinfluss“. Es reicht auf jeden Fall immer noch zum Führerscheinentzug oder happigen Busse, selbst wenn man keinen Unfall verursacht hat, sondern nur in eine Kontrolle geraten ist.

    Dem Betroffenen hilft es leider nicht viel, zu erfahren, dass er mit MPH verkehrstauglicher ist, solange das Gesetz es als Doping oder „unter starkem Medikamenteneinfluss stehend“ bezeichnet und deshalb bestrafbar macht.

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