Interessenskonflikte

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (40/3, 2012, 133–138) haben Fachpersonen eine Stellungnahme veröffentlicht mit dem Titel: Zunahme der Häufigkeit medikamentöser Behandlungen, ethische Prinzipien und Interessenkonflikte in der Kooperation mit der pharmazeutischen Industrie. Autoren sind: Johannes Hebebrand (1) , Bernhard Blanz (2) , Beate Herpertz-Dahlmann (3) , Gerd Lehmkuhl (4).

Dieser Fachartikel geht ein auf die Hintergründe der verstärkten Psychopharmakaverschreibung bei Kindern und Jugendlichen, welche in allen Industrienationen beobachtet werden kann.

Neben echten Fortschritten in der Behandlung psychischer Störungen dürfe nicht ausser Acht gelassen werden, dass auch der Werbung und anderen unlauteren Praktiken der Pharmaindustrie eine Rolle an der grossen Zunahme der Psychopharmaka-Therapie bei Kindern zukomme.

Im Artikel werden differenziert und kritisch bestehende Risiken reflektiert, welche mit der Verflechtung von Forschung, der Erstellung von Therapieleitlinien und dem Sponsoring der Pharmaindustrie einhergehen können. Unter anderem wird erwähnt, dass der bekannte ADHS-Forscher Joseph Biedermann von der Pharmaindustrie 1,6 Millionen Dollar an Vortrags- bzw. Beraterhonoraren erhalten haben soll. Genannt wird unter anderem die gezielt an Kinder- und Jugendpsychiater gerichtete Förderung von Off-Label-Gebrauch von Medikamenten. Verwiesen wird zudem auf verschiedene Publikationen in Fachzeitschriften, welche den Einfluss der Pharmaindustrie auf die Forschungsdaten problematisieren.

Die Autoren gehen dabei auch auf die medikamentöse Therapie der ADHS ein und weisen unter anderem darauf hin, dass diese zwar wirksam sei, es aber auch Hinweise darauf gebe, dass möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen zu wenig Aufmerksamkeit zuteil komme. So könnten Einbussen bei der Körperhöhenentwicklung oder mögliche Folgen eines unter Stimulanzien erhöhten Ruhepulses doch mit etwelchen Unsicherheiten für die Gesundheit der Patienten einhergehen. Sie weisen auch darauf hin, dass Langzeiteffekte deutlich weniger dokumentiert sind. Teilweise seien Langzeitstudien mit methodischen Mängeln behaftet.

Die Autoren plädieren dafür, Unsicherheiten und mögliche Risiken offen zu kommunizieren.

Schliesslich verweisen die Autoren darauf, dass dem Thema der „Interessenkonflikte“ doch zunehmend mehr Bedeutung beigemessen wird.

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1 LVR-Klinikum Essen, Kliniken und Institut der Universität Duisburg-Essen, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

2 Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Hans Berger Kliniken, Friedrich Schiller Universität Jena

3 Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Universitätsklinikum der RWTH-Aachen

4 Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu Köln

3 Gedanken zu „Interessenskonflikte

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